Mitte 40, Übergewicht und Hüftarthrose
- 18. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Jan.

Die Angaben wurden einem anonymisierten Fallbeispiel entnommen.
Belastungsabhängige Hüftschmerzen sind ein häufiger Grund dafür, dass Menschen sportlich und beruflich „leiser treten“ müssen. Besonders problematisch wird es, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen – z. B. eine anatomische Prädisposition, bereits bestehender Knorpelschaden und deutlich erhöhtes Körpergewicht.
Dieses Fallbeispiel zeigt, wie wir im OMC strukturiert vorgehen: Ursachen erkennen, Belastung steuern, Schmerzen reduzieren – und einen realistischen Plan zur Verbesserung entwickeln.
Ausgangslage
Patient: Mann in den Vierzigern
Körpergewicht: knapp 140 kg
Leitsymptom: belastungsabhängige Hüftschmerzen mit deutlich eingeschränkter Gehstrecke
Der Patient stellte sich vor, weil die Beschwerden über Monate zunahmen. Spaziergänge und längeres Stehen wurden zunehmend zur Belastung. Sportliche Aktivität war nur noch eingeschränkt möglich – was wiederum die Gewichtsproblematik verstärkte.
Diagnosen
Im Verlauf ergab sich eine typische Mehrfach-Konstellation:
Hüftgelenkdysplasie (prädisponierender Faktor)
Koxarthrose (degenerative Hüftgelenkarthrose)
Adipositas (massiv erhöhtes mechanisches Gelenkrisiko)
Problemkonstellation: Warum diese Kombination so schwierig ist
Bei Hüftarthrose ist das Körpergewicht nicht „nur“ ein Begleiter, sondern ein echter Treiber – mechanisch und metabolisch:
Erhöhte Gelenkbelastung durch Körpergewicht → mehr Druck im Gelenk → mehr Schmerz
Chronische Entzündungsaktivität durch viszerales Fettgewebe → ungünstiges Stoffwechselmilieu
Schmerz → Bewegungsreduktion → weitere Gewichtszunahme → beschleunigte Progression
Teufelskreis:
Schmerz → weniger Bewegung → Gewicht ↑ → Arthroseprogress ↑
Genau hier setzen wir an: Nicht „nur Spritze oder Schmerzmittel“, sondern ein strukturiertes Vorgehen, um den Kreislauf zu unterbrechen.
Unser Vorgehen: Struktur statt Zufall
Das Ziel war von Beginn an klar: Funktionsgewinn durch Entlastung – und zwar so, dass der Patient wieder handlungsfähig wird.
1) Klare Zielklärung
Was ist aktuell realistisch?
Welche Alltagsbelastungen sind entscheidend (Beruf, Familie)?
Welche Bewegungsformen sind trotz Arthrose möglich?
2) Medizinische Einordnung: Was sind die Haupttreiber?
mechanische Überlastung als dominanter Faktor
entzündlich-metabolische Komponente als Verstärker
Dysplasie/Arthrose als strukturelle Grundlage
3) Therapieprinzip: Erst wieder „bewegungsfähig“ machen, dann Fortschritt planen
Die Praxis zeigt: Solange Schmerzen zu hoch sind, bleibt jeder Lifestyle-Plan theoretisch. Daher ist die Reihenfolge entscheidend:
Schmerz senken & Belastbarkeit steigern
Bewegung wieder ermöglichen
Gewichtsreduktion als Hebel etablieren
Progression verlangsamen
Therapieziel
Die Therapieziele wurden ausdrücklich nicht kosmetisch, sondern funktionell formuliert:
Gewichtsreduktion zur Entlastung des Hüftgelenks
Schmerzreduktion, um Aktivität wieder aufzubauen
Funktionsverbesserung und Verzögerung der Progression
Interventionen (Therapieansatz)
Ziel war es, den Teufelskreis aus Schmerz, Bewegungsreduktion und weiterer Gewichtszunahme zu durchbrechen – mit einem klar strukturierten Vorgehen:
1) Schmerzkontrolle & Startfähigkeit herstellen
Um wieder Bewegung zu ermöglichen, wurde zunächst eine wirksame Schmerzkontrolle erreicht – mit Fokus auf funktioneller Verbesserung statt reiner Symptombehandlung. Das beinhaltete je nach Befund u. a.:
gezielte Aktivitätsanpassung (Belastungssteuerung)
fünf Therapiesitzungen Magnetfeldtherapie des Hüftgelenkes
Aufbau eines schmerzarmen Bewegungsfensters (z. B. Rad/Ergometer, Aquajogging, Walking, Krafttraining ohne Stoßbelastung)
Anleitung zu alltagstauglichen Entlastungsstrategien
2) Belastungssteuerung statt „Schonung“
Eine komplette Schonung führt bei Arthrose häufig zu weiterem Funktionsverlust. Deshalb wurde ein Plan erstellt, der Bewegung wieder möglich macht, ohne die Hüfte dauerhaft zu überlasten:
klare Empfehlung „was geht – was nicht geht“
progressive Steigerung der Aktivität
Fokus auf gelenkschonende Ausdauer + Kraft (insbesondere Gesäß-/Rumpfstabilität)
3) Gewichtsreduktion als zentraler mechanischer Hebel
Da das Körpergewicht ein wesentlicher Treiber der mechanischen Gelenkbelastung ist, wurde eine strukturierte Gewichtsreduktion eingeleitet:
definierter Kalorienrahmen und praktikables Ernährungskonzept
Medikamentös-unterstützte Gewichtsreduktion
Eiweißfokus zur Sättigung/Muskelerhalt
Reduktion stark verarbeiteter Kohlenhydrate (v. a. abends) und Alkohol
regelmäßige Verlaufskontrollen zur Stabilisierung der Umsetzung
4) Metabolische Entzündungsaktivität adressieren
Viszerales Fettgewebe wirkt als Entzündungsverstärker und kann Schmerzen und Degeneration begünstigen. Daher wurde neben der reinen Gewichtsreduktion auch auf:
Schlafqualität / Stresslevel
Regeneration und Tagesstruktur
geachtet, um die „Rahmenbedingungen“ für nachhaltigen Erfolg zu verbessern.
Ergebnis (klinisch und funktionell)
Bereits nach kurzer Zeit zeigte sich eine klare Verbesserung in Richtung Funktion und Belastbarkeit:
Gewichtsreduktion von 20 kg in wenigen Wochen
Schmerzniveau sank unter Alltagsbelastung spürbar
Gehstrecke verbesserte sich, Pausen wurden seltener erforderlich
der Patient konnte regelmäßige Aktivität wieder aufnehmen (ohne ständige Schmerzprovokation)



Kommentare