Spiroergometrie: Was sie für Sportler leistet
- 4. Feb.
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Viele Sportler trainieren nach Gefühl, Pace oder Herzfrequenz. Das funktioniert – bis es nicht mehr funktioniert. Leistungsplateaus, unerklärliche Erschöpfung oder stagnierende Fortschritte sind häufig Ausdruck davon, dass Belastung und Stoffwechsel nicht mehr zusammenpassen. Genau hier setzt die Spiroergometrie an.
Was ist eine Spiroergometrie?
Die Spiroergometrie ist das präziseste Verfahren zur Leistungsdiagnostik, das uns aktuell zur Verfügung steht. Während einer stufenweise ansteigenden Belastung auf dem Laufband oder Fahrradergometer werden kontinuierlich Atemgase, Herzfrequenz und Belastungsdaten erfasst.
Gemessen werden unter anderem:
Sauerstoffaufnahme (VO₂)
Kohlendioxidabgabe (VCO₂)
Atemminutenvolumen
ventilatorische Schwellen
Herzfrequenzreaktion unter Belastung
Damit lässt sich exakt bestimmen, wie der Körper Energie bereitstellt – aerob, anaerob oder in Mischformen.
Warum klassische Trainingssteuerung oft ungenau ist
Herzfrequenz, Pace oder Watt sind indirekte Parameter. Sie sagen etwas über die äußere Belastung aus, aber wenig darüber, was im Stoffwechsel tatsächlich passiert.
Problematisch wird das insbesondere:
bei zunehmendem Trainingsumfang
bei Gewichtsveränderungen
nach Infekten oder Verletzungen
bei hoher beruflicher oder mentaler Belastung
Die Folge: Man trainiert diszipliniert, aber nicht zielgerichtet.
Was die Spiroergometrie für Sportler sichtbar macht
Die eigentliche Stärke der Spiroergometrie liegt nicht in der Vielzahl der Messwerte, sondern in der ärztlichen Ableitung.

Sie beantwortet unter anderem:
In welchem Intensitätsbereich verbrenne ich überwiegend Fett?
Ab wann dominiert der Kohlenhydratstoffwechsel?
Wo liegen meine individuelle aerobe und anaerobe Schwelle?
Wie ökonomisch arbeite ich bei submaximaler Belastung?
Ist mein Leistungsniveau alters- und trainingsadäquat?
Diese Informationen sind nicht schätzbar – sie sind nur messbar.
Spiroergometrie ist nicht nur Leistungssport-Diagnostik
Ein häufiger Irrtum ist, dass die Spiroergometrie nur für Leistungssportler sinnvoll sei. Tatsächlich profitieren gerade ambitionierte Freizeit- und Hobbysportler besonders, da Trainingszeit begrenzt ist und Regeneration oft unterschätzt wird.
Typische Anwendungsbereiche sind:
Lauf- und Radsport
Triathlon
Mannschaftssportarten mit hoher Ausdauerkomponente
Wiedereinstieg nach Verletzung oder Krankheit
Leistungseinbruch trotz konstantem Training
Auch bei sportlich aktiven Menschen mit metabolischen Risikofaktoren liefert die Spiroergometrie wertvolle Zusatzinformationen.
Wie läuft eine Spiroergometrie ab?
Viele Sportler erwarten bei einer Spiroergometrie eine maximale Ausbelastung oder verwechseln sie mit einem einfachen Belastungs-EKG. Tatsächlich ist der Ablauf klar strukturiert, kontrolliert und medizinisch sicher.
Ärztliches Vorgespräch und Zieldefinition
Vor der Untersuchung erfolgt ein ärztliches Gespräch. Trainingszustand, sportliche Ziele, Vorerkrankungen und aktuelle Beschwerden werden erfasst. Entscheidend ist die Frage, welche Fragestellung die Untersuchung beantworten soll – Trainingssteuerung, Leistungsoptimierung, Wiedereinstieg oder medizinische Sicherheit.
Vorbereitung und Messtechnik
Der Sportler erhält ein EKG zur kontinuierlichen Herzüberwachung sowie eine Atemmaske zur Messung von Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe. Die Atmung bleibt dabei frei und natürlich – es handelt sich um eine Messung, nicht um eine Beatmung.
Stufenweise Belastung
Die Belastung erfolgt auf dem Laufband oder Fahrradergometer und steigt stufenweise an. Jede Stufe dauert mehrere Minuten, sodass sich der Körper stabil anpassen kann. Ziel ist nicht maximale Willensleistung, sondern das Erreichen diagnostisch relevanter Belastungsbereiche.
Kontinuierliche Überwachung
Während der gesamten Untersuchung werden Herzfrequenz, Atemgase und subjektives Belastungsempfinden kontinuierlich überwacht. Die Untersuchung kann jederzeit beendet werden, etwa bei Erschöpfung, muskulärer Limitierung oder Erreichen der relevanten Schwellen.
Nachbelastung und ärztliche Auswertung
Nach der Belastung folgt eine kurze Erholungsphase. Anschließend werden die erhobenen Daten ärztlich ausgewertet und verständlich erläutert. Besprochen werden individuelle Trainingsbereiche, Stoffwechselcharakteristik, Leistungsreserven und konkrete Empfehlungen für Training und Belastungssteuerung.
Spiroergometrie im medizinischen Kontext
Die Spiroergometrie ist nicht nur leistungsdiagnostisch, sondern auch medizinisch hochrelevant. Sie erlaubt die Beurteilung der kardiorespiratorischen Leistungsfähigkeit, das Erkennen limitierender Faktoren und eine sichere Trainingsfreigabe.
In der Kombination aus Innerer Medizin und Orthopädie, wie sie bei uns in Neustadt an der Weinstraße angeboten wird, entsteht daraus ein ganzheitlicher Ansatz, der Training planbar und sicher macht.
Was Sportler nach der Untersuchung erwarten sollten
Eine hochwertige Spiroergometrie endet nicht mit Kurven und Zahlen. Entscheidend ist die Übersetzung der Ergebnissein umsetzbare Empfehlungen.
Dazu gehören:
individuell definierte Trainingsbereiche
klare Aussagen zur Belastungsverträglichkeit
Einschätzung von Leistungsreserven
Hinweise zur Trainingsstruktur und Regeneration
Ziel ist nicht maximale Belastung, sondern nachhaltige Leistungsentwicklung.
Fazit
Die Spiroergometrie ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Werkzeug zur Klarheit. Für Sportler bedeutet sie effizienteres Training, bessere Regeneration und realistische Zieldefinition.
Wer verstehen möchte, wie sein Körper unter Belastung wirklich arbeitet, kommt an der Spiroergometrie nicht vorbei.



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